Bemerkungen zu Familiennamen
Die antiken Quintus in Rom
Das Leben von Paul und Jakob
Kirchenbücher

Fabian Quintus: Ein göttlicher Priester!


Auf ihn war die ganze Familie stolz und alle liebten ihn. Fabian Quintus war liebenswert und gütig. Bewußt habe ich ihn nur einmal in meinem Leben gesehen, als er im November 1952 nach Apatin kam, um uns zu verabschieden. Meiner Mutter hat er einen Rosenkranz als Andenken geschenkt, den sie für den Rest ihres Lebens in hohen Ehren gehalten hat. Er hat sie zur ewigen Ruhe begleitet.



Fabian Quintus Ein Foto aus den 70-er Jahren

Im ersten Telefongespräch im Jahre 1995 mit Eva Quintus aus Franztal (deren Familienchronik man hier nachlesen kann), geb. 1926, erzählte sie mir spontan, dass sie einmal als Kind in Apatin gewesen sei - zur ersten hl. Messe von Fabian. Die ganze Familie war 1933 den weiten Weg von Semlin bis Apatin gefahren, um an der Feier teilzunehmen. Sehr bemerkenswert, wenn man bedenkt, vor wie vielen Jahrzehnten sich die Familienströme bereits in Weprowatz geteilt hatten ...

Eva Quintus bewahrte von diesem Tag, dem 9. Juli 1933, noch eine Erinnerung auf, mehr als 60 Jahre lang: ein kleines Heiligenbild mit einem Gedenktext. Sie hat es mir geschenkt, damit es hier gezeigt werden kann.  


Über Fabian Quintus berichteten die „Apatiner Heimatblätter“ recht häufig, einmal ist auch ein Aufsatz von ihm über Familiengeschichte und verwandtschaftliche Zusammenhänge verschiedener großer Apatiner Familien in den Blättern (Heft Nr. 66) erschienen. Fabian wurde wegen seiner Verdienste um die in Apatin verbliebenen Landsleute und wegen seines unermüdlichen Einsatzes für die Gläubigen und um das Kirchengebäude der Ehrenbrief der Apatiner Gemeinschaft e.V. verliehen. Viele Jahre war Fabian Quintus in jedem Heft zusammen mit anderen Honoratioren der Gemeinschaft ehrenvoll genannt.

Den nachfolgenden Nachruf, der in den „Apatiner Heimatblättern“ Heft 109/110 vom Juni 1990 auf der ersten Seite erschien, veröffentliche ich, um Lebenslauf und Karierre dieses ungewöhnlichen Menschen darzustellen:

In Memoriam Msgr. Fabian Quintus Pfarrherr von Apatin (1970-1972)

„Wie sein Leben in Gott verankert war,
so verstarb er im Vertrauen auf die Liebe Christi“


Dieses Zitat haben seine Mitbrüder im Priesteramt in die Traueranzeige gesetzt und es charakterisiert sehr treffend sein Leben und seinen Tod. In Gott war sein priesterliches Leben verankert, es war von lauter Güte und aufopfernder Liebe geprägt. Alles tat er für Gott, jede Seele steuerte er zu Gott, zu dem, der selbst die ewige Liebe ist.

Die wichtigeren Stationen des Lebensweges von Msgr. Fabian Quintus waren folgende: Geboren wurde er am 11. Dezember 1910 in Apatin als fünftes Kind der Familie Quintus („Nomen est omen“; lat. der Fünfte - so Priester Ehmann in seiner Abschiedspredigt). Die Volksschule hat er in seinem Geburtsort besucht, die höhere Schule in Szabadka und Travnik. Sein Theologiestudium hat er in Djakovo auf der Religionswissenschaftlichen Hochschule absolviert, sein Diplom hat er auf der Zagreber Fakultät erlangt.

Am 2. Juli 1933 hat ihn der Bischof in der Szabadkaer Pfarrkirche St. Theresia zum Priester geweiht. Von 1933 bis 1935 wirkte er als Seelsorger in Bezdan, danach bis 1940 in Futog und schließlich bis 1942 in Ujvidék. Die erste selbständig geführte Pfarrei war in Titel, wo er bis 1945 und danach bis 1959 in Lok tätig war. Pfarrer war er ab 1959 in Hódság und von 1970 bis 1972 in Apatin. Ab 1968 war er bischöflicher Konsultor und ab 1972 Archipresbyter des Donaupresbyteriums. Im gleichen Jahr kam er nach Szabadka und wurde zum Rektor des Priesterseminars ernannt; er bekleidete dieses Amt bis 1983. Ab 1973 war er Referent der Caritas und ab 1974 wurde er Wirtschaftsrat der Wirtschaftskörperschaft des Bistums. 1976 bekam er erneut eine Ernennung zum Konsultor und am 25. Januar 1978 hat ihn der Heilige Vater mit dem Titel ,,Päpstlicher Kaplan" (Monsignore) ausgezeichnet. Von 1972 an, als er als Rektor ins Priesterseminar kam, hat er gleichzeitig im klassischen Gymnasium Paulinum unterrichtet.

Er war nicht mehr jung, als er in das Institut kam, aber dennoch hat er das Vertrauen der Seminaristen gewonnen. Er war sehr verständnisvoll gegenüber der Jugend und löste die Probleme mit viel Sachkenntnis. Die ihm anvertrauten Seminaristen hat er mit väterlicher Sorgfalt erzogen. Er konnte auch entschlossen sein, wenn die Umstände dies erforderten. Das Leben im Institut bestand jedoch nicht nur aus Disziplin und Lehrtätigkeit; zu verschiedenen feierlichen Anlässen hat er als Rektor auch Vorträge und Theaterstücke organisiert. Er hat dabei einen guten Sinn für Literatur bewiesen. 1986 trat er in den Ruhestand, hat aber dennoch sehr gern Vertretungen in verschiedenen Pfarreien in Szabadka und in der ganzen Bácska wahrgenommen. An dieser Stelle wollen wir uns noch erinnern an die Primiz (Erste Heilige Messe) des Msgr. Fabian Quintus am 9. Juli 1933 in der Mariä-Himmelfahrt-Kirche in Apatin, die der damalige Abt-Pfarrer Dr. Eggert zu einem Prachtfest organisierte.

Ernste Anzeichen der Krankheit von Msgr. Quintus zeigten sich im Januar 1990. Am 5. März wurde er aus dem Priesterheim Josephinum in das Szabadkaer Krankenhaus eingeliefert, wo er am 15. März 1990 um 22 Uhr nach Empfang der heiligen Sterbesakramente im 57. Jahr seines priesterlichen Wirkens 79-jährig verstorben ist. Seinen engsten Verwandten, die zu ihm gereist waren, war es vergönnt, ihn noch lebend und bei vollem Bewußtsein anzutreffen.

Auf die Todesnachricht sagte sein früherer Bischof: ,,Es verstarb ein göttlicher Priester“.
Dies war auch die Meinung seiner Seminaristen.

Die Trauerfeierlichkeiten - das Seelenamt und die Beisetzung - am 17. März 1990 um 10.30 Uhr hat der Oberhirte Bischof János Pénzes selbst übernommen. Zahlreiche Priester und Ordensbrüder, Verwandte, Angehörige des Priesterseminars, Ordensschwestern, sowie zahlreiche Gläubige haben der Beisetzung beigewohnt. Außer den Gläubigen aus Szabadka waren auch Gläubige aus seinem Geburtsort und seinen früheren Pfarreien erschienen.

Herr, gib ihm die ewige Ruhe!





Apatin 1869