Bemerkungen zu Familiennamen
Die antiken Quintus in Rom
Das Leben von Paul und Jakob
Kirchenbücher

Nachdem die ersten Jahre in Weprowatz vergangen sind, die bewirtschafteten Güter nicht mehr alle Quintus-Nachkommen ernähren konnten, begannen die ersten Söhne sich nach neuen Lebensschancen umzusehen. In Ungarn herrschte immer noch Aufbruchstimmung, die Gründerzeit war noch nicht abgeschlossen. Da bot es sich an, sich nach neuen oder aufstrebenden Dörfern umzusehen. Aber viele Siedlersöhne machten sich auch auf ins ferne Russland oder in die neu erschlossenen Gebiete in Rumänien. Wahrscheinlich waren auch einige Quintus-Söhne dabei, entdeckt habe ich jedoch noch keine.

Sieht man einmal von der ersten „Ausweichbewegung“ nach Tschonopel und Kernei im Jahr 1797 ab, die nur die klein gewordenen Familie des Paul Quintus betrifft, so setzt die „Binnenwanderung“ der Quintus etwa 50 bis 60 Jahre nach der Ansiedlung in Weprowatz ein. Bereits zwischen 1828 und 1830 gehen zwei Familien in den Nachbarort Kula um ihr Glück dort zu suchen. Sie bilden die Keimzelle für eine recht große Gruppe von Quintus-Familien. Allein in den unvollständigen Aufzeichnungen habe ich rund 80 Personen gefunden.

Ein Anziehungspunkt wird in den 50-er Jahren des 19. Jahrhunderts die neu gegründete Garnisonsstadt Franztal bei Semlin. Hier an der Militärgrenze werden handfeste unternehmungsfreudige Menschen gebraucht. Übrigens: in diesen Jahren beginnt in den neuen Siedlungsgebieten der fernen USA die Zeit, die später als der „Wilde Westen“ in den Geschichtsbüchern Eingang findet. In den Dörfern Ungarns ist diese Zeit nicht mehr „wild“ – vielmehr gehen selbst die Neugründungen sehr geordnet zu. In Franztal werden speziell Gemüsebauern und Handwerker gebraucht. Die drei Auswanderer nach Franztal sind übrigens Schuhmacher, ein Beruf, der im Umfeld von Soldaten eine gute Zukunft hatte. Spätere Quintus in Franztal sind erfolgreiche Bauern und gesuchte Handwerker.

Apatin wird von Fabian, Sohn des Georg und Enkel des Einwanderers Mathias im Jahr 1869 als neuer Wohnsitz gewählt, sieht man von den beiden Töchtern des Einwanderers Paul Quintus und seiner Frau Margarete Weber einmal ab, die im frühen 19. Jahrhundert nach Apatin heirateten. Fabian beginnt seine Existenz recht armselig als Feldhüter und Stricker. 17 Jahre später heiratet Georg, Sohn des Tagelöhners Adam und seiner Frau Anna Pascht aus Weprowatz ebenfalls eine Apatinerin. Aus diesen beiden Linien entstehen alle Apatiner Quintus.

In den 1870-er Jahren kommen Quintus auch nach Zabalj und Filipowa. Der Schritt nach Filipowa wurde wahrscheinlich durch die Heirat des Johann Quintus auslöst, der in Zabalj Eva Kirsch heiratet und dessen Eltern und Geschwister etwa 1877 geschlossen von Weprowatz übersiedelten. Filipowa wiederum wird von je einem Ehepaar von Kula und einem aus Batsch Brestowatz als Wohnort ausgesucht. Nach Batsch Brestowatz wiederum, dem direkten Nachbarort von Weprowatz, heiraten Quintus-Söhne aus Kula und aus Weprowatz.

Die sogenannte Binnenwanderung habe ich in einer einfachen Grafik dargestellt, die durch Anklicken vergrößert werden kann.



Die Gründe für den Wegzug aus Weprowatz sind im Einzelnen natürlich unbekannt, lassen sich aber leicht erschließen, wenn man die Entwicklung der Familien betrachtet. Der Hof wird dem ältesten Sohn vererbt, ein weiterer Sohn verbleibt vielleicht als Großknecht, während alle anderen leer ausgehen. Der in solchen Fällen übliche Weg ins Kloster, ins Soldatentum oder in den Staatsdienst ist schmal und so bleibt für viele nur noch die Auswanderung nach Amerika oder in andere Teile des Landes. Letzteres ist der Königsweg für diejenigen Quintus-Söhne, die wohlhabende Töchter heiraten können und aus diesem Grund in andere Orte ziehen.

In den ersten Jahren war das Problem der „überzähligen Söhne“ nicht sonderlich drückend, Säuglings- und Kindersterblichkeit sowie regelmäßig das Land heimsuchende Seuchen hielten die Bevölkerung überschaubar. Von den 10 Kindern des Einwanderers Mathias zum Beispiel erreichten nur zwei Söhne und eine Tochter das heiratsfähige Alter. Als aber Ernährung und Hygiene, Gesundheitsvorsorge und die allgemeine Lebensführung besser wurden, sank die Sterblichkeit der Jungen signifikant und das Alter der „Überlebenden“ stieg sprunghaft. Jetzt begegnen uns zahlreiche Quintus beispielsweise als Tagelöhner. Es sind genau diejenigen, die nun nach Draußen drängen und sich neue Lebensräume erschließen wollen. Sie tun damit genau das, was die Quintus seit Jahrhunderten getan haben.