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Für Fragen der Herkunft und der Familienzugehörigkeit begann ich mich bereits als Jugendlicher zu interessieren. Ein Bereich, der in der Nazi- und Nachkriegszeit so unvorstellbar wichtig, vielfach sogar lebenswichtig war. Fragen der Herkunft, Volkszugehörigkeit und der Verwandtschaft hatten eine Bedeutung, wie sie heute kaum mehr vorstellbar ist. „Familienzusammenführung“ zum Beispiel war ein Zauberwort der 50-er Jahre – es brachte z.B. meine Familie nach Deutschland. Wenn ich mit meinen Töchtern über diese Zeit rede, ernte ich schon mal Bemerkungen etwa der Art: „jetzt erzählt er wieder vom Mittelalter …“. Dies beschreibt anschaulich, wie weit entfernt bereits die Zeit ist, die mein Leben und das einer ganzen Generation so nachhaltig geprägt hat: die „Nachkriegszeit“.
Aber zurück zum eigentlichen Thema. Im Artikel „Warum Familienforschung“ habe ich bereits beschrieben, warum der Name „Quintus“ eine große Bedeutung für mich hat und weshalb ich Familienforschung systematisch betrieben habe. Begonnen habe ich, wie konnte es anders sein, recht dilettantisch. 1966 erschien das Heimatbuch „Apatin“ von Josef Volkmar Senz, ein Werk, das lange Zeit das einzige für mich greifbare Buch über meinen Heimatort war. Es enthielt eine (ziemlich) unvollständige Liste von Friedrich Lotz von vermeintlichen Apatiner Erstsiedlern. Dort fand ich den Eintrag:
„Johann Quintus aus dem Trierischen 1770.“
Das war er also, der erste Apatiner Quintus, mein Vorfahre, der Vorfahre aller Apatiner Quintus – so naiv dachte ich seinerzeit.
Diese Liste, der ich, unerfahren wie ich war, völlig vertraute, ist allerdings in vielfältiger Weise mehr als fragwürdig, häufig sogar komplett falsch. Friedrich Lotz hatte sich seine „wissenschaftliche Arbeit“ manchmal recht einfach gemacht: er nahm Apatiner Namen, verglich sie mit den „Quellen“ von Wilhelm/Kallbrunner und ernannte munter einige Einwanderer zu Apatiner Erstsiedlern. Das geschah manchmal sträflich willkürlich. So ist auch die Zuordnung von Johann Quintus zu Apatin vollkommen falsch. Allerdings enthielt sie, so stellte sich später heraus, einen richtigen Fingerzeig, nämlich den auf die Herkunft unserer Quintus.
Erst durch die entscheidenden Hinweise des genialen Genealogen Paul Scherer fand ich meine und die Vorfahren der meisten Quintus-Familien: Paul Quintus und Jakob Quintus, die in Weprowatz siedelten und deren Nachkommen sich in der gesamten Batschka und darüber hinaus verbreitet hatten.
Sie kamen tatsächlich „aus dem Trierischen“. So nannte man seinerzeit den weltlichen Herrschaftsbereich des Fürstbischofs zu Trier. Das Territorium, das er als Fürst beherrschte, ihm sozusagen als Besitz gehörte, war weitgehend identisch mit dem Gebiet des Erzbistums. Die Herrschaft ist untergegangen, das Erzbistum Trier gibt es noch immer. Dort sind auch im Bistumsarchiv die Kirchenbücher der zugehörigen Pfarreien verwahrt. Der Hinweis auf die Herkunft aus dem "Trierischen" hatte aber auch noch eine andere, für mich zunächst nicht erkennbare Bedeutung: unsere Quintus kamen tatsächlich aus dem Gebiet des Trierer Fürstbischofs und nicht aus einer bestimmten Stadt oder Gemeinde, denn sie waren vagierende Hirten, die keine Gemeindezugehörigkeit hatten. Deshalb waren sie aber auch keine Leibeigene wie die gewöhnlichen Bauern und Handwerker. Aus ihrer an sich schlimmen Lage wurde bei der Auswanderung ein unschätzbarer Vorteil: sie mussten sich nicht freikaufen, was sie sicherlich auch nicht gekonnt hätten; man war vielmehr froh, dass sie gingen.
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Die ältesten Matrikeleintragungen fand ich also im Hunsrück und in der südlichen Eifel, wobei häufig nicht zwischen Quintus, Quinten und Quintes unterschieden wurde. Das verwundert uns heute, denn die Pfarrer, die die Bücher führten, mussten schon von Berufs wegen Lateinisch beherrschen. Andererseits wurde nach Hörensagen geschrieben und die Welt war voller „Stammler und Stotterer“, wie ich von den „Kanonischen Visitationen“ lernen durfte. Außerdem waren die Pfarrer sicherlich nicht besonders an den „Umherziehenden“ interessiert und hörten oft nur widerwillig hin wenn ihnen deren Namen genannt wurden. Natürlich hat auch niemand die Eintragungen der Pfarrer überprüft. (Siehe auch „Der Name Quintus“) Die frühesten Quintus-Einträge, gefunden bei den Mormonen, sind „Quintus, Maria Catharina, geboren am 24.09.1724 in Dusemond-Filzen (wo ist das?), Tochter von Clemens Quintus und NN Heffener sowie Quintus Maria Magdalena, geboren am15.09.1729 in Bischofsdrohn (im Hunsrück), gleiche Eltern. Danach folgen „unsere Quintus“. Dabei handelt es sich nur um die reine Form „Quintus“, andere Formen gibt es dagegen recht zahlreich, insbesondere die über ganz Deutschland verstreuten „Quint“, von denen ja einige Familien, von der Mosel kommend, ins Banat ausgewandert sind.
Ein Fund ist besonders geheimnisvoll. Im Buch „Deutsche Kolonisten im Komitat Baranya/Ungarn 1688 – 1752“ von Ferdinand Hengl ist ein Quintus wie folgt verzeichnet:
Quintus Andreas, Baranyabán, 5.5.1752, 39 Jahre alt (54)
Diese Eintragung wirft Fragen auf, zu denen es (bisher) keine Antworten gibt. Wer ist dieser sehr frühe Quintus in der Baranya? Wo kommt er her? Was war das für eine Ansiedlung? Und: was ist weiterhin mit ihm geschehen?
Außerdem gab es Quintus in Lothringen, Luxemburg und dem Elsaß. Ich vermute, dass es sich um die gleichen Familien handelt, von denen auch unsere Vorfahren abstammen.
Gleichzeitig, also in der ersten Hälfte des 18.JH, treten Quintus-Familien auch in den Niederlanden auf, vornehmlich in der Provinz Groningen. Der Zusammenhang zu „unseren Quintus“ muss noch geklärt werden. Die meisten (jedenfalls sehr frühen) Quintus in den USA dürften von niederländischen Einwanderern abstammen. Aus der Batschka, dem Banat, Syrmien und Kroatien sind die Quintus erst im späten 19.JH, vermehrt aber zu Beginn des 20.JH, insbesondere nach dem ersten Weltkrieg nach Amerika ausgewandert. Dies zu erforschen dürfte einen großen Berg Arbeit darstellen.
Die Gruppe der Quintus in Finnland (1739 bis 1857) braucht nicht näher betrachtet zu werden, da Familiennamen dort erst seit 1920 verbindlich vorgeschrieben sind. Die Namensgebungen in früherer Zeit waren recht willkürlich und persönliche- und Sippennamen wechselte auch bei ein und derselben Person.
Bisher habe ich meine Suche nach den Quintus des 18. Jahrhunderts auf den Raum Saar / Hunsrück beschränkt und versucht herauszufinden, woher unserer Auswanderer wirklich kommen. Dies stellte sich weitaus schwieriger dar, als ich zunächst dachte. Der Grund ist einfach: sie waren Vaganten, oder genauer: wandernde Hirten. Leute, denen die Einwohner eines Dorfes zeitweilig, für eine Saison oder für einige Jahre, ihre Tiere anvertrauten. Dafür mussten sie absolut vertrauenswürdig sein oder konnten Pfandgeld bzw. Bürgschaften hinterlegen. Vielleicht besaßen sie auch einige Stück eigenes Vieh, das sie im Schadensfall einsetzen konnten. Eines aber stand unabänderlich fest: sie mussten, wenn ihr Vertrag abgelaufen war, wieder gehen, mussten in eine andere Gemeinde und durften, wenn überhaupt, dann erst in einigen Jahren wiederkommen. Dabei half ihnen ihr guter Ruf und es scheint, als würden sie Verwandte oder Freunde als Nachfolger empfohlen haben. Die beiden Auswanderer Paul und Jakob Quintus z.B. haben ihr ganzes Leben sozusagen in Sichtweite zueinander verbracht, was wiederum auf nahe Verwandtschaft schließen lässt.
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Sie waren also Kuh- und Schweinehirten, Schäfer fand ich keine. Und sie waren jahrzehntelang im westlichen Hunsrück zwischen Trier und Saarbrücken zuhause. Ihre genealogischen Spuren habe ich in vielen Dörfern gefunden.
Alles weitere, was ich in Erfahrung bringen konnte folgt auf den Seiten „Vor der Auswanderung“. Dort will ich beschreiben, welche Personen zu den Familien gehörten, und wo sie sich aufgehalten haben. Die Datenlage ist recht dünn und nicht sehr ergiebig. So fehlen z.B. alle Hinweise auf Abstammung und Herkunft der beiden Familien. Ich denke, ich habe einfach den Ort oder die Orte noch nicht gefunden, in denen Paul und Jakob geboren wurden und heirateten. Hans-Peter Bungert, ein exzellenter Kenner der Genealogie des Hunsrück vermutet, ihr Geburtsort sei Osburg, dessen Bücher bei einem Kirchenbrand vernichtet wurden. Das wäre allerdings das natürliche Ende aller Forschungen. Aber warten wir es ab und suchen derweil weiter …
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