Bemerkungen zu Familiennamen
Die antiken Quintus in Rom
Das Leben von Paul und Jakob
Kirchenbücher

Dies ist das eigentlich interessante, gleichzeitig aber auch schwierigste Kapitel meiner Herkunftsforschung. Wir bewegen uns im 18. Jahrhundert, speziell in den Jahren zwischen 1740 bis etwa 1790 im Herrschaftsgebiet des Fürstbischofs von Trier. Der Raum in dem die Quintus-Vorfahren lebten ist – nach meinen bisherigen Feststellungen - nicht sehr groß: er reicht im Norden von Trier, entlang der Saar bis hin in den Raum von Püttlingen / Altenkessel, also gut 30 Kilometer nördlich Saarbrücken, ziemlich genau entlang der Bundesstraße 228. Man findet sie nicht leicht, die Quintus, in den Matrikeln, denn die Zeiten damals waren hart und um Bürokratie kümmerte sich niemand. Die Welt in den kleinen Dörfern ist übersichtlich; man weiß wer dazu gehört und man kennt die „Unehrlichen“, die mit dem bürgerlichen Leben nur wenig zu tun haben. Die Pfarrer haben alles im Griff, achten darauf, dass die Neugeborenen am Tag ihrer Geburt getauft werden, kümmern sich um die Heirats- und Bestattungsriten und schreiben genau diese Ereignisse auf. Damit sind das Heidentum und die Sünde der Bigamie gebannt. Das musste reichen.

Aber zurück zu der Gegend, in der sich unsere Quintus-Vorfahren bewegt haben. Denn was ich sagte, gilt, darauf muss ich hinweisen, eben nur für die Quintus. Nimmt man die Quint, Quinten und Quintes, wie unsere Vorfahren hin und wieder auch schon mal genannt wurden (wenn auch nur von unaufmerksamen Pfarrern), dann muss man das Gebiet deutlich größer fassen. Quints gibt es viele an der Mosel bis hin zum Rhein, alle anderen kommen auch vielfach in der Eifel vor.

Man müsste also herausfinden, wann die Schreibweise „Quintus“ erstmals auftritt und seit wann dieser Name konsequent als Familienname vererbt wird. Auffällig ist, dass in dem Buch von Hans-Peter Klauck über die Nichtsesshaften*1) jener Zeit im Hunsrück, kein Quintus als Vagabund oder Bettler zu finden ist. Die Quintus sind vielmehr "vagierende" (d.h. umherziehende) Hirten, Holzfäller und Köhler. Hirten brauchte man damals wegen der Kuh- und Schweinemast, weil die Tiere auf den Feldern und im Wald ernährt wurden; die Stallhaltung (und -Fütterung) gab es noch nicht. Weil Hirten sich aber auch um die verendeten Tiere kümmern mussten, galten sie als „unrein“. Das war für alle anderen sehr praktisch, denn dadurch konnte man eine ganze Personengruppe, die man dringend brauchte, ins soziale Abseits stellen. Ganz wichtig dabei war, dass man sie, wenn sie nicht mehr benötigt wurden, weiterschicken konnte. Hilfsbedürftig gewordene Familien wurden einfach aus dem Dorf getrieben.

Wer sich dafür interessiert:
Zu diesem Personenkreis sind einige zusätzliche Informationen in den: „Bemerkungen zu Vaganten“ zu finden.

Wie bereits erwähnt, hat mich in den neunziger Jahren der Familienforscher Paul Scherer aus Karlsruhe, dessen Arbeitsschwerpunkt damals die deutsche Gemeinde Weprowatz in der Batschka war, auf die beiden Auswandererfamilien Paul und Jakob Quintus aufmerksam gemacht. Bei seinen Arbeiten für das Familienbuch Weprowatz *2) hatte er hatte er sich bemüht, auch die Herkunft der Siedler, die mit dem großen Treck 1786 ankamen, zu ermitteln. Dabei stieß er auf die Forschungen von Hans Peter Bungert, Großrosseln im Saarland, der wiederum Arbeiten von Hans-Peter Klauck, Saarlouis, einbezogen hatte. Das alles zusammen und richtig interpretiert ergab einen Sinn. 1995 erreichte mich ein Schreiben von Paul Scherer, der meine wichtigstes Fragen beantworten konnte. Lange vor Erscheinen des Familienbuches erhielt ich seine Forschungsergebnisse in elektronischer Form und durfte nun mit meinen Arbeiten darauf aufbauen.

Also, es waren diese beiden Familien, die sich im Frühjahr 1786 nach dem Viehsterben im Hunsrück auf die große Reise nach Ungarn aufgemacht haben:

Paul Quintus und Angela Wintrich mit 2 Söhnen und 3 Töchtern
und

Jakob Quintus und Angela Jacobs mit vier Söhnen
Paul * 07.07.1765 Zerf
Mathias * 26.01.1768 Greimerath bei Zerf
Peter * 07.12.1769 Greimerath bei Zerf
Johann * 29.12.1773 Greimerath bei Zerf

So sind die beiden Familien nach Wilhelm/Kallbrunner *3) bei der Einwanderung in der Kontrollstation in Wien registriert worden. Das Alter des Paul Quintus ist mit 33 Jahren, das des Jacob Quintus mit 44 Jahren angegeben worden. Ein 33-jähriger Paul ist nirgendwo auffindbar, so dass ein Schreibfehler oder ein Übertragungsfehler vermutet werden kann. Vielleicht hat Paul auch die Schreiber bestochen, damit sie für die Impopulationskammer in Wien eine falsche Altersangabe notieren. Überprüft wurden die Angaben sowieso nicht mehr, wenn die Wiener Station überschritten war. Mit Sicherheit wissen wir heute, dass beide Quintus Ihren Beruf falsch angegeben haben. Um die Einreiseerlaubnis zu erhalten, musste man Bauer oder Handwerker sein oder Vermögen nachweisen. Für Hirten gab es keinen Bedarf in Ungarn. Da beide Familien immer eng mit den Bauern zusammenarbeiteten, die Söhne sicherlich des Öfteren als Knechte ausgeholfen hatten, waren ihnen die bäuerlichen Pflichten bestimmt sehr vertraut. Und wie gesagt: kontrollieren konnte man das ohnehin nicht.

Von den 5 Kindern des Paul ist bisher nur

Mathias * 13.07.1776 Frommersbach bei Zerf
(Mutter: Margarethe Huwer aus Mandern)

mit seiner großen Familie in den Matrikeln belegt, und zwar in denen von Kernei und Tschonopel. Die anderen vier Kinder warten noch auf ihre „Entdeckung“ in den Kirchenbüchern der Batschka, im Trierischen oder anderswo. Wahrscheinlich wäre ihr Tod auf der Reise oder kurz nach der Ankunft in Ungarn.

Die vier Söhne des Jacob sind in den Kirchenbüchern von Weprowatz mit ihren Heiraten und ihren Kindern gut nachgewiesen. Ihre zahlreichen Nachkommen verteilen sich über viele Orte vorwiegend in der Batschka und Syrmien. Deren Nachkommen wiederum zerstreuten sich nach dem Zweiten Weltkrieg in fast allen Teilen der Erde; sie finden sich überwiegend in Deutschland und Österreich, aber auch in den USA.

Die Einwandererpaare hatten noch mehr Kinder, die alle im Raum Saar-Hunsrück geboren wurden und von denen manche auch dort gestorben sind. Es ist nicht auszuschließen, dass auf der langen Reise in die Batschka auch einige umgekommen sind.

Paul und Jacob blieben während ihres gesamten Lebens sozusagen in Sichtweite zueinander, was auf eine enge Verwandtschaft schließen lässt. Das tatsächliche Verhältnis der beiden Auswanderer ist aber gegenwärtig noch vollkommen unklar. Paul Scherer schreibt in seiner treffenden, sachlichen Art dazu:

"Die zwei Ansiedler von Weprowatz, Jakob und Paul Quintus waren sicherlich miteinander verwandt. Ihren Lebensweg sind sie, zumindest soweit es für uns festzustellen ist, größtenteils miteinander gegangen. Theoretisch könnten sie Vater und Sohn, Brüder oder Onkel und Neffe gewesen sein."

Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Nur soviel, dass ich den Ehrgeiz habe, dieses Rätsel zu lösen. Ich denke, dazu müsste man soviel wie möglich Original-Eintragungen in den Kirchenbüchern finden, also zahlreiche Fakten sammeln, um eine Hypothese aufbauen zu können. Noch ist es aber nicht soweit.

Das Ergebnis meiner Nachsuche in Trier, Mettlach, Merzig und anderswo zeigt bewegte und bewegende Lebensläufe der beiden Männer und ihrer Familien. Tragisch ist, dass Paul, am Ziel seines langen Weges, sofort stirbt. Man kann an die Reisestrapazen denken oder an das Sumpffieber, das die Ankömmlinge in der Donau-Theiß-Ebene erwartete. Ebenso stirbt Angela Jacobs in Weprowatz, bereits kurz nach der Ankunft, am 12. Dezember 1786. Ihr mutiger Griff nach einer neuen Zukunft ging ins Leere.

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*1) Hans-Peter Klauck Waldarbeiterfamilien im Raum Saar-Hunsrück vor 1800
*2) Paul Scherer Familienbuch Weprowatz, Karlsruhe 1998
*3) Dr. Franz Wilhelm und Dr. Josef Kallbrunner Quellen zur deutschen Siedlungsgeschichte in Südosteuropa, München 1932 - 19326



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